Methoden der Personzentrierten und Integrativen Beratung

Personzentrierten Ansatz

Die Personzentrierte Beratung nach Carl R. Rogers gehört zu den humanistischen Ansätzen der Psychologie. Sie basiert auf der Überzeugung, dass jeder Mensch eine innewohnende Tendenz zur Entwicklung und Selbstverwirklichung in sich trägt – die Fähigkeit, auf Erfahrungen zu reagieren, zu wachsen und innere Stimmigkeit zu finden.

Im Zentrum steht nicht eine Methode im klassischen Sinn, sondern eine Haltung. Die Beziehung steht im Mittelpunkt, getragen von Empathie, Echtheit und bedingungsloser Wertschätzung. Diese Grundhaltungen schaffen einen Raum, in dem sich persönliche Veränderung und Selbstverstehen aus eigener Kraft entfalten können.

Der personzentrierte Ansatz stellt das subjektive Erleben ins Zentrum. Er geht davon aus, dass der Mensch selbst der beste Kenner seiner inneren Welt ist und dass Entwicklung dort geschehen kann, wo Vertrauen, Achtsamkeit und Beziehung spürbar werden.

Ein Diagramm eines Dreiecks mit einem violetten Dreieck in der Mitte

Die Grundprinzipien des Personzentrierten Ansatzes umfassen

  • Selbstaktualisierungstendenz

    Eine Person gießt eine Pflanze mit einer Gießkanne.

    Die Selbstaktualisierungstendenz bezeichnet den angeborenen Drang eines Menschen, sich selbst zu entwickeln und sein volles Potenzial auszuschöpfen. Diese intrinsische Motivation umfasst das Streben nach persönlichem Wachstum und Selbstverwirklichung. Sie führt dazu, dass Menschen ihre einzigartigen Talente und Fähigkeiten entdecken und entwickeln wollen.


    Sie basiert auf dem inneren Wunsch, sich ständig zu verbessern und Herausforderungen zu meistern, um ein erfülltes und sinnvolles Leben zu führen. Sie ist ein starker Antrieb, sich Ziele zu setzen, die den eigenen Werten entsprechen und das persönliche Wohlbefinden fördern.


  • Selbstkonzept

    Eine schwarz-weiße Zeichnung eines Schmetterlings auf weißem Hintergrund

    Das Selbstkonzept umfasst das Selbstbild, das Selbstwertgefühl und die inneren Ideale, die eine Person von sich hat. Diese Aspekte beeinflussen, wie ein Mensch sich selbst erlebt, wie er fühlt, handelt und in Beziehung geht.

    Das Selbstbild beschreibt, wie man sich selbst sieht – wer man glaubt zu sein. Das Selbstwertgefühl spiegelt die emotionale Bewertung dieses Bildes. Und die Ideale zeigen auf, wie man gerne wäre oder was man von sich selbst erwartet.


    Wenn diese Elemente im Einklang stehen, entsteht oft ein Gefühl von innerer Stimmigkeit. Wenn jedoch Spannungen oder Widersprüche spürbar sind, kann es hilfreich sein, diese bewusster wahrzunehmen.

    Durch das Erforschen und Reflektieren des eigenen Selbstkonzepts kann sich das innere Bild verändern. Es darf klarer, freundlicher, vielleicht sogar versöhnlicher werden – ein Selbstbild, das Entwicklung erlaubt und das eigene Sein würdigt.



  • Kongruenz – Echtheit

    Eine Zeichnung von zwei Menschen, die sich auf einem weißen Hintergrund die Hand schütteln.

    Kongruenz beschreibt den Zustand, in dem Denken, Fühlen und Handeln übereinstimmen. Es geht um innere Stimmigkeit, darum, mit sich selbst in Kontakt zu sein und das, was innen erlebt wird, auch nach aussen hin wahrnehmbar werden zu lassen.


    Echtheit schafft Verbindung. Wenn jemand sich unverstellt zeigt, entsteht ein Raum, in dem auch andere sich öffnen können. Diese Haltung lädt dazu ein, sich selbst ernst zu nehmen, Gefühle zuzulassen und sich so zu zeigen, wie man ist, ohne Maske, ohne Anspruch, anders sein zu müssen.

    Kongruenz fördert Vertrauen. Sie macht Beziehung lebendig und echt und damit zu einem Ort, an dem Entwicklung geschehen kann.



  • Empathie – Einfühlsames Verstehen

    Auf einer Schwarzweißzeichnung umarmen sich ein Mann und eine Frau.

    Empathie ist ein zentrales Element im personzentrierten Ansatz. Sie beschreibt die Fähigkeit, sich in die Welt eines anderen Menschen einzufühlen. Seine Gedanken, Gefühle und Erfahrungen mit innerer Offenheit aufzunehmen, ohne zu urteilen oder zu interpretieren.

    Einfühlsames Verstehen bedeutet, präsent zu sein, zuzuhören, nachzuspüren, mitzugehen. Es braucht keine Antworten oder Lösungen, sondern das ehrliche Bemühen, zu verstehen, wie es gerade ist.


    Wenn Erleben auf diese Weise gespiegelt und angenommen wird, entsteht eine tiefe Erleichterung. In diesem Gesehen- und Gehörtwerden kann etwas in Bewegung kommen, ganz ohne Druck, sondern getragen von Resonanz und Vertrauen.



  • Akzeptanz – bedingungslose Wertschätzung

    Ein Paar Hände, die sich auf einem weißen Hintergrund nacheinander ausstrecken.

    Bedingungsfreie Wertschätzung bedeutet, einem Menschen mit einer inneren Haltung zu begegnen, die nicht an Erwartungen geknüpft ist. Es geht darum, anzuerkennen, dass jeder Mensch, mit all seinen Gedanken, Gefühlen, Fragen und Zweifeln, wertvoll ist, einfach weil er da ist.

    Diese Form der Annahme schafft einen sicheren Raum. Ein Raum, in dem nichts versteckt oder angepasst werden muss. In dem das, was gerade ist, seinen Platz haben darf.


    Wenn keine Bedingungen gestellt werden, entsteht oft die Freiheit, sich selbst neu zu begegnen, jenseits von Bewertung oder Selbstkritik. Aus dieser Freiheit kann Entwicklung entstehen, getragen von Vertrauen, Achtsamkeit und echter Verbindung.



  • Zusammenfassung

    Die personzentrierte Haltung gründet auf fünf zentralen Prinzipien: der Selbstaktualisierungstendenz, dem Selbstkonzept, der Kongruenz, der Empathie und der bedingungsfreien Wertschätzung. Sie schaffen gemeinsam ein Klima, in dem sich persönliches Wachstum entfalten kann. Getragen von Vertrauen, Beziehung und innerer Stimmigkeit.


    Im Mittelpunkt steht nicht das Lösen von Problemen, sondern das Entdecken eigener Wege. Die Personzentrierte Beratung öffnet einen Raum, in dem innere Prozesse wahrgenommen, verstanden und integriert werden können. Ein Raum, in dem Du Dir selbst begegnen darfst – so, wie Du bist.


    In der Begegnung mit einem echten Du entsteht oft erst die Möglichkeit, das eigene Ich zu spüren. Denn wo ich angenommen bin, darf ich mich zeigen. Und manchmal reicht es, genau das spürbar werden zu lassen.




„Kein Ansatz, der sich auf Wissen, auf Training, auf die Annahme irgendeiner Lehre verlässt, kann auf Dauer von Nutzen sein. Haltung ist entscheidend, nicht Worte.“ 

– Carl Rogers

Integrative Erziehungsberatung®

Die Integrative Erziehungsberatung® vereint vielfältige pädagogische, psychologische und neurologische Erkenntnisse zu einem ganzheitlichen Verständnis von Beziehung und Entwicklung. Im Zentrum steht das Kind mit seiner Einzigartigkeit – eingebettet in sein familiäres und soziales Umfeld. Diese Methode richtet sich nicht nur an das Kind, sondern auch an seine Bezugspersonen mit dem Ziel, ein unterstützendes und lebendiges Miteinander zu gestalten.

A diagram of integrative erziehung nach maria kenessey


Grundhaltungen und Perspektiven der Integrativen Erziehungsberatung®

  • Ganzheitliche Förderung

    Eine Zeichnung von zwei Händen, die ein Blatt halten.

    Die Entwicklung von Herz, Hand und Verstand wird als lebendiger, untrennbarer Prozess verstanden. Kinder sind in ihrer Ganzheit eingeladen, sich zu entfalten – mit allem, was sie mitbringen. Frühkindliche, schulische und spielerische Entwicklungsprozesse fliessen in diese Betrachtung ebenso ein wie das Wissen um ihre Eigenaktivität und Selbstwirksamkeit.


    Die Integrative Erziehungsberatung® schöpft aus einem breiten Spektrum an pädagogischen Grundlagen. Sie nimmt Impulse auf aus der frühen Förderung kindlicher Fähigkeiten, aus Beobachtungen zur Bedeutung des Spiels, aus Erkenntnissen zur neuropsychologischen Entwicklung und aus Konzepten, die das Kind in seiner emotionalen, körperlichen und geistigen Dimension ernst nehmen. Diese vielfältigen Ansätze bilden das Fundament für eine Erziehung, die nicht formen will, sondern Raum gibt – für Wachstum, Beziehung und Entfaltung im eigenen Tempo.



  • Psychologische Tiefe und innere Bewegungen

    Eine Zeichnung eines Wollknäuels auf weißem Hintergrund.

    Die Integrative Erziehungsberatung®  berücksichtigt, dass das kindliche Verhalten nicht nur durch das Sichtbare geprägt ist. Auch innere Spannungen, nicht bewusste Anteile und früh erlebte Erfahrungen spielen eine Rolle im Erleben und Ausdruck eines Kindes. Es geht darum, diese tieferen Schichten behutsam zugänglich zu machen – in einem wertfreien Raum, der mit Respekt und Achtsamkeit die innere Welt des Kindes ernst nimmt.


    Die Methode schöpft aus psychologischen Erkenntnissen, die sich mit inneren Dynamiken, dem Unbewussten und der individuellen Entwicklung beschäftigen. Sie öffnet die Tür zu einem tieferen Verstehen kindlicher Erlebniswelten und bietet Möglichkeiten, wie innere Konflikte und seelische Bedürfnisse sichtbar werden dürfen – nicht mit dem Ziel zu verändern, sondern um gemeinsam zu entdecken, was sich zeigen möchte. In diesem Verstehen können neue Wege entstehen – im Kind selbst und im Miteinander.

  • Neurologische und kommunikationsmethodische Zugänge

    Eine Zeichnung eines Blumenkohls in der Form eines Gehirns.

    Die Integrative Erziehungsberatung® versteht kindliche Entwicklung als ein lebendiges Zusammenspiel von Körper, Geist und Beziehung. Erkenntnisse aus der Hirnforschung sowie aus verschiedenen kommunikativen und körperorientierten Ansätzen fliessen unterstützend mit ein.


    Ein besonderer Fokus liegt auf der Art und Weise, wie wir mit Kindern in Kontakt treten. Achtsame, zugewandte Kommunikation schafft Räume, in denen Vertrauen wachsen darf. Im Gespräch, in der Begegnung, in der gemeinsamen Stille – überall dort entsteht Verbindung. Die Sprache, ob gesprochen oder nonverbal, wird dabei als Brücke gesehen zwischen dem, was innen gespürt wird, und dem, was sich im Aussen zeigen darf.


    Diese Zugänge vertiefen das Verstehen und ermöglichen, feinfühlig auf die Bedürfnisse eines Kindes einzugehen. Nicht um zu korrigieren, sondern um Entwicklung zu begleiten und Beziehung zu gestalten – in einem sicheren Rahmen, der dem Kind entspricht.



  • Systemisches Verstehen

    Eine Gruppe von Leuten setzt gemeinsam ein Puzzle zusammen.

    Kinder wachsen nicht für sich allein, sondern in einem Netz von Beziehungen. Sie sind Teil eines grösseren Ganzen – eingebettet in Familie, Schule, Freundeskreis oder andere Gruppen. Die Integrative Erziehungsberatung®  nimmt diese Zusammenhänge mit in den Blick. Denn was in einem Teil des Systems geschieht, berührt immer auch die anderen Bereiche.


    Diese Haltung lädt ein, nicht nach Ursachen oder Schuld zu suchen, sondern hinzuschauen, wie sich Beziehungen gestalten. Welche Muster haben sich entwickelt? Wo braucht es vielleicht Raum für Veränderung oder neue Wege des Miteinanders?


    Erkenntnisse aus der systemischen Arbeit und der Familienbegleitung unterstützen diesen Blick. Sie helfen dabei, Zusammenhänge zu erkennen und gemeinsam neue Möglichkeiten zu entdecken – ob im familiären Alltag, in einer Spielgruppe, im Kindergarten oder in einer Schulklasse. So kann Entwicklung nicht nur beim Kind, sondern im ganzen System stattfinden.

  • Wertebasiertes Begleiten

    Eine Zeichnung eines Globus, umgeben von Zweigen und Blättern.

    Im Zentrum der Integrativen Erziehungsberatung steht eine Haltung, die geprägt ist von bedingungsloser Annahme, Vertrauen und Echtheit. Kinder dürfen sich mit allem zeigen, was in ihnen lebendig ist. Sie erfahren, dass sie willkommen sind – genau so, wie sie sind. In diesem sicheren Raum lernen sie, eigene Entscheidungen zu treffen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und liebevoll mit sich selbst in Beziehung zu gehen.


    Die Integrative Erziehungsberatung orientiert sich an ethischen Grundsätzen, an den Kinderrechten und an einem demokratischen, gleichwürdigen Menschenbild. Sie schafft Räume, in denen Kinder, Eltern und Fachpersonen gemeinsam wachsen dürfen. Dabei steht nicht die Anpassung im Vordergrund, sondern die Entfaltung – in einem Umfeld, das Beziehung, Mitgefühl und gegenseitige Achtung in den Mittelpunkt stellt.


    Sie bietet eine ganzheitliche Möglichkeit, Erziehung und Entwicklung miteinander zu verbinden – konzentriert, achtsam und im Dialog. Erwachsene wirken dabei als authentisches Gegenüber, das Orientierung gibt, ohne zu lenken. So entsteht ein Klima, das Entwicklung auf allen Ebenen ermöglicht – seelisch, sozial und geistig. Beziehung wird zum tragenden Boden für Wachstum – im Kind, in der Familie und in der Gemeinschaft.

„Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann habe ich es am nötigsten.“